Flickan som lekte med elden VerdamnisAlfredson, DanielSchweden/Dänemark/Deutschland 2009 Thriller/Krimi; Lebendig begraben; Massenmedien; Lisbeth Salander (Noomi Rapace) ist nach fast zwei Jahren zurück aus der Karibik in Schweden, als sie prompt gesucht wird. Weniger von Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), dem Journalisten von Millennium und auch weniger von der Polizei, sondern von einem Monstrum, dessen Namen sich später als Ronald Niedermann (Micke Spreitz) herausstellt. Jener kontaktiert Lisbeths Vormund Bjurman (Peter Andersson), mit dem Lisbeth ein Hühnchen zu rupfen hat. Als dann der junge Journalist Dag Svensson (Hans-Christian Thulin) mit einer Geschichte über Frauenhandel zu Millenium kommt, in den etliche hohe Tiere aus Justiz und Polizei verwickelt sind, darunter Bjurman und jemand, der bei der Ausarbeitung des Prostitutionsgesetztes beteiligt war, wird die Sache heiß. So heiß, dass bald darauf Dag, seine Freundin, die Kriminologin Mia Bergman, die ihre Dissertation über Frauenhandel gerade beendete und selbst Bjurman ermordet aufgefunden werden, die Fingerabdrücke auf der Pistole stammen von Lisbeth. Während Michael an ihre Unschuld glaubt, ist das bei der Sondereinheit der Polizei unter Jan Bublanski (Johan Kylén) nicht der Fall. Im weiteren entrinnen Lisbeth lesbische Freundin Miriam Wu (Yasmine Garbi) und ihr Bekannter, der Boxer Paolo Roberto (Paolo Roberto), den Michael um Vermittlung anfragt, nur mit Mühe, nachdem sie zusammengeschlagen wurden, dem Tod in einer brennenden Scheune. Hinter allem scheint der 69-Jährige, an Krücken gehende Alexander Zalachenko (Georgi Staykov) zu stecken, ein nach Schweden geflohener russischer Topagent. Es kommt zur Aufdeckung weiterer Geheimnisse. Diesmal steht Lisbeth mehr im Fokus, so kommt sie in den Credits zuerst. Mit ihr und einem Rückblick auf ihre schlimmen Erlebnisse in Män som hatar kvinnor beginnt es, sie wird mit dem Gesicht groß und vom Rücken gezeigt, ihr Tattoo ist zu erkennen in dieser hellen Wohnung in der Karibik, wo sie sich um Immobilien in Schweden kümmert. Wieder in Schweden sucht sie Bjurman auf, nachdem dieser beim Essen durch Ronald bereits gestört wird, der den Polizeibericht von Lisbeth will. Völlig ungeniert spaziert sie in seine Wohnung, weckt den Schlafenden, den sie mit seiner eigenen Pistole bedroht (daher die Fingerabdrücke) und zwingt ihn, seiner Pflicht nachzukommen und gute Berichte zu schreiben. Bjurman ist richtig eingeschüchtert. Dieser trifft sich mit zwei langhaarigen, zum Übergewicht neigenden Motorradfreaks (Klischees werden nicht ausgespart) und Ronald, nachdem ein anderer die ans Bett gefesselte Irina fickt, dass diesem nur so der Sabbel und Schweiß aus dem Gesicht läuft. Lisbeth wird angeschossen, scheint tot, Zala und Ronald buddeln ein Loch und begraben sie. Ein Reh kommt und grast, eine Hand streckt sich raus wie bei Zombiefilmen. Es ist zu erwarten, dass Lisbeth noch lebt, sie schleppt sich zum Haus und konfrontiert ihren Vater, mit der Axt dringt sie auf ihn ein, selbst blutüberströmt, hasserfüllt, sie erledigt ihn. Ronald kommt und schreckt zurück, seine Halbschwester anzugreifen, obwohl er eine Stange packt. Währendessen kommt Michael - woher er den Ort fand - wissen wir nicht, vielleicht ein Hinweis von Lisbeth und er läuft dort furchtlos und ohne Deckung herum – er hat irgendwas von einem Revolverhelden an sich, nebenbei gehen die zwei unbedarft an die Angelegenheit, wo die doch mit Menschenleben nicht spaßen - , aber als er Lisbeth halbtot am Boden liegen sieht, duckt er sich und spricht sie an, die ihn zwar erkennt, aber so schwer geschädigt ist, dass sie kaum reagiert. Polizei und Ambulanz kommen, Lisbeth wird zum Helikopter gebracht im Gegensatz zu Zalachenko, der aber ebenfalls eine Atemmaske bekommt, so dass unklar ist, ob er tot ist oder nicht. Michaels blick geht zum Himmel. Lisbeth fand ihren Vater und ihren Halbbruder, beide nicht angemeldet und unter falschen Identitäten, der kaum etwas für sie übrig hat, sie unterschätzt und ihr Vorwürfe macht, sie wohl hasst, aber immerhin auf dem Bauernhof Bewegungsmelder installierte und damit sich ihren Computerkünsten nähert, die im Übrigen kaum im Film zur Anwendung kommen, wo im Weiteren sowieso zu viel dem ersten Film gleicht, obwohl hier die Familientragödie anderer und persönlicherer Natur ist. Lisbeth ist dafür reifer geworden, fraulicher nun mit langen Haaren, wobei sie später zur Tarnung blonde Haare trägt. Nacheinander besucht sie alte Bekannte und frischt alte Freundschaften wieder auf. Von einem bekommt sie zu hören, dass sie Leute, die ihr Freund sein wollen, wie Scheiße behandelt, während ihr alter Vormund, durch einen Schlaganfall gelähmt, ein offenes Ohr und Einfühlungsvermögen für sie hat. Der verarmten Miriam bietet sie ihre Wohnung an, um selbst als V. Tulla (eine Reminiszenz an Pippi Langstrumpf) in eine viel bessere zu ziehen, aber in erster Linie wegen der Tarnung. Das ist zwar gut gemeint, aber mit wenig Verantwortung durchdacht, denn Miriam wird Zielscheibe von Polizei, Journalisten und dem Kidnapper. Sonst haben beide auf Miriams Veranlassung schnell Sex (beide im Schatten gefilmt) und diese schenkt ihr ein Zigarettenetui, damit die nicht davon ablassende Kettenraucherin Lisbeth dies wenigstens im Luxus tun kann (Michael darf sich im Bett mit seiner Chefin Erika Berger tummeln). Das Grab ihrer Mutter besucht sie und sie schreibt Michael ein Email „Danke dass du mein Freund bist“, viel kommt das nicht zum tragen. Von Lisbeth wird die Vorgeschichte aufgerollt, mit 12 kam sie in die Psychiatrie, wo der ebenfalls sadistisch veranlagte Peter Teleborian sie im mindestens als Versuchskaninchen missbrauchte. Wie gehabt, sind alle sozialen Institutionen durch und durch marode. Lisbeth wird direkt verdächtigt, sie die gewalttätige Vorbestrafte, wobei man schon damals hätte fragen sollen, ob sie nicht aus Notwehr heraus handelte, als sie ihrem seine Frau ständig misshandelnden Vater das Benzin übergoss. Sie wanderte in die Psychiatrie, der Vater blieb unbehelligt. Genauso heißt es von Bjurman, er sei sozial engagiert. Ein hoher Posten schützt vor Strafverfolgung. Immerhin gibt er den Russinnen das Gefühl, dass sie gebraucht werden. Huren sind keine richtigen Menschen, ein Polizist lästert mit einem anderen darüber, während sonst ihre Ermittlungsarbeit fürchterlich ineffektiv ist, wenigstens Staatsanwalt Ekström räumt allem höchste Priorität ein. Diese Spur führt der ganze Film weiter. Als ersten nimmt sich Michael den zurückgezogen lebenden Gunnar Björck (Ralph Carlsson) vor, der beim Sicherheitsdienst ist und dem sein großflächig angelegter Garten ein Hobby ist (wo sind Frau und Kinder, ließ der Job keine Zeit?). Er kommt zu ihm mit dem Lottotrick (wenn es um einen Gewinn geht, melden sich alle), aber der ist schwer von Begriff, meint Michael würde sein Leben zerstören, gibt diesem jedoch nach Michaels Drohungen und nach einer Nachfrage, was seine Information wert sei weitgehende Auskünfte über Zala. Bei der Erschießung von Dag und Mia kommt Michael direkt von einer Familienfeier nachdem sie tot sind, im Gang herrscht Hektik, sie meinten ein Schuss wäre zu hören gewesen, so wird die Szene vorbereitet. Ronald durchsucht das Sommerhaus von Bjurman und hinterlässt eine Sauordnung, der Blick fällt auf den Briefkasten, damit wir wissen, wem es gehört. Das wiederholt sich bei Lisbeth, sie räumt auf und findet den Ordner auf dem Speicher, während die zwei Rocker nahen, eine Spannungsinszenierung, die Lisbeth lindert, da sie beide mutig entgegentritt und sie zur Sau macht, dem Dickeren Magge schießt sie in den Fuß. Vor der brennenden Scheune steht Ronald seelenruhig dabei, er fühlt ja keinen Schmerz (er hat kongenitale Analgesie, erinnert an Galbatorix Kämpfer in Brisingr) und meint durch die Verriegelung des Vordereinganges hätte der Mohr seine Schuldigkeit getan, nachdem er die anderen beiden krankenhausreif schlug, noch nicht einmal zur Kettensäge greifen musste. Doch ganz schnell huschen Miriam und Paolo im Bildhintergrund ins sichere Gebüsch. Lisbeth konfrontiert den Journalisten P-Å Sandström, den sie an der Decke fesselt, sie selbst malt sich ihr Gesicht weiß an mit einem roten Streifen durch. Der Familienvater musste Amphetamine aus Talinn schmuggeln, sonst wäre er getötet worden. Er fand Irina einfach schön, seine Tochter kommt heim und kann sich nur wundern. Ein weiterer Mosaikstein bei der Aufklärung. Insgesamt passiert wenig, was die Gewaltakte besser im Gedächtnis hält. All das hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, Fremdgehen wird bestraft, aber die Gegenseite ist moralisch kaum besser. Der Frauenhandel samt der Involvierung der Honoratioren ist wiederum einzig Aufhänger genauso wie das Schicksal von Topspionen oder der Unterwanderung der Polizei statt dem auf die Spur zu kommen, was einen topaktuellen Film abgegeben hätte, andere umgreifende Themen werden allenfalls gestreift. Dies zeigt eine Beliebigkeit, wo viel passiert, was aber niemanden berührt. Mit Ausnahme jener die sich profilieren wollen (die Presse) oder die was verbergen müssen (die Polizei). Michael ist in dieser Wüste ein einsamer Kämpfer, denn er hat im Gegensatz zu Lisbeth keine Rechnungen offen und ist wählerisch in der Wahl der Mittel. Diese Konstellation gibt nun wenig her, da sich beide erst am Schluss treffen und auch elektronisch wenig kommunizieren, was die Frage aufwirft, warum Lisbeth nicht den Kontakt mit ihren Möglichkeiten früher herstellte. FSLME geht es um die Beziehungen zwischen Personen auf der Suche nach Personen. Zala, der Freak, der aus dem Ausland kommt, stammt aus der Mottenkiste. Zuviel des gleichen und weniger groß angerührt, eher bescheiden, ist der zweite Teil der Trilogie ein kurzweiliger, zum düsteren tendierender Thriller, der auf dem Land seinen Showdown findet. Achim Hättich |
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