Migrationshintergrund als zusätzliche Hürde bei der Arbeitssuche
Das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung SDBB führte am 2. April 2009 eine Tagung zum Thema Zuwanderung und Integration durch. Sie war auf Personen ausgerichtet, die in der Berufs- und Laufbahnberatung tätig sind, wobei der Fokus auf jungen Erwachsenen ausländischer Herkunft lag. Die verschiedenen Referenten, welche sich beruflich mit Zuwanderung und Integration beschäftigen stammten aus der Integrations- und Bildungspolitik, der Wissenschaft sowie aus der Praxis. Die Tagung bot einen umfangreichen Überblick, wobei die Thematik von unterschiedlichen Perspektiven her beleuchtet wurde. Es wurden aktuelle Tendenzen in der Zuwanderung und der Integrationspolitik aufgezeigt (Christoph Meier, Leiter Integrationsförderung der Stadt Zürich) sowie der Umgang mit dem Konzept Kultur thematisiert (Prof. Dr. Lilo Roost Vischer, Ethnologin Universität Basel).
Evaluation der Tagung
Weiter präsentierte die TREE-Studie erste Untersuchungsergebnisse zum Übergang von der Schule ins Erwerbsleben von ausländischen Jugendlichen (Lic. Phil. Anita Keller Universität Basel). Zudem wurden die Herausforderungen und Chancen von Angehörigen der zweiten Generation im Zusammenhang mit dem Berufsleben aufgezeigt. Es wurde ein Pilotprojekt des KV Schweiz präsentiert, welches durch anonyme Lehrstellenbewerbung für mehr Chancengleichheit und innovative Lehrlingsselektion steht (Ralf Margreiter, Stabstelle Bildungspolitik, KV Schweiz).
Neben diesen Themen stellte auch die Zürcher non Profit (NPO) Organisation Platform Networking for Jobs ihre Erfahrungen mit der Arbeitsintegration vor. Die Platform Networking for Jobs unterstützt Schweizer Rückwanderer und Zugewanderte mit akademischer oder höherer Ausbildung bei der Stellensuche. Studien zeigen, dass Zugewanderte mit hoher Ausbildung oft schlechter im Arbeitsprozess integriert sind als jene ohne nachobligatorische Schulbildung oder mit einer Anlehre. Diese gut ausgebildeten Personen müssen sich häufig mit Stellen begnügen, die schlechte Arbeitsbedingungen, niedrigen Lohn und geringe Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Auf dieserErkenntnis basiert die Arbeit der Organisation. Durch massgeschneiderte Begleitung werden Personen in ihrer Suche nach einer Stelle, die ihren Qualifikationen entspricht, unterstützt. Die Arbeitssuchenden stammen überwiegend aus Ländern ausserhalb Europas. Von den 40 Personen, welche im Jahr 2008 mit der Platform zusammenarbeiteten, stammte die Mehrheit aus Lateinamerika sowie Osteuropa. Es nahmen jedoch auch Personen aus Afrika, Asien, Europa sowie der Karibik am Projekt teil. Das Erfolgsrezept der Platform Networking for Jobs bei der Unterstützung der Arbeitssuchenden stellt die individuelle Beratung dar. Diese wird durch die freiwillige Mitarbeit von Mentoren/Coaches ermöglicht. Gegenwärtig arbeitet die Platform mit circa 100 Mentoren zusammen, welche gut im Beruf integriert sind und oft Kaderpositionen innehaben. Die Mentoren gehören den unterschiedlichsten Berufsgruppen an, wie Ärzte, Ökonomen, Betriebswirtschafter, Ingenieure, Elektrotechniker, Psychologen und Journalisten, um nur einige zu nennen. Die Teilnehmenden werden von einem oder mehreren Mentoren aus der Wirtschaft betreut. Zentral bei dieser massgeschneiderten Beratung ist der Wissenstransfer. Nach einer ersten Standortbestimmung werden die Erwartungen der Arbeitsgeber zusammen analysiert und Laufbahnpläne aufgestellt. Das Bewerbungsportfolio wird optimiert und es wird an der Kommunikation und am Auftritt gearbeitet. Zusätzlich werden nützliche Weiterbildungsmöglichkeiten abgeklärt. Ausserdem stellen die Mentoren den Arbeitssuchenden ihre Netzwerke zur Verfügung und führen sie in die Feinheiten der Schweizer Geschäftskultur ein. Demgegenüber bietet die Platform Workshops an, welche den Arbeitssuchenden sowie den Mentoren offen stehen. Die Themen in den Workshops wie Kommunikation, Networking, Managing Diversity, Fit4Work und Konversation im Berufsalltag werden sehr praxisbezogen vermittelt und jeweils durch Feedbacks evaluiert. Die Rückmeldungen zur Nützlichkeit sowie zur Qualität wurden von der Mehrheit der Teilnehmer jeweils als sehr gut befunden. Die Erfolge der individuellen Beratung sprechen für sich. Im Jahr 2008 haben 54% der Arbeitssuchenden eine Stelle und 10% eine Praktikumsstelle gefunden. Davon fanden 44% eine Stelle im angestrebten Bereich, 10% machten ein Praktikum und lediglich 3 % fanden eine Stelle, die nicht ihren Qualifikationen entsprach. Diese Zahlen bestätigen den Erfolg einer individuellen Beratung bei der Stellensuche von Zugewanderte Personen. Ungenügende Deutschkenntnisse sind nur ein Faktor von vielen, welche bei der Arbeitssuche eine Rolle spielen. Daneben wirken sich fehlende Arbeitserfahrung in der Schweiz, fehlende Anerkennung von Bildungsdiplomen, aber auch Herkunftsland, Hautfarbe und Geschlecht oft negativ auf eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt aus. Für die Zukunft der Platform Networking for Jobs wird vermehrtes kollegiales Coaching unter Arbeitssuchenden angestrebt, als auch eine Erweiterung des Mentoren-Pools. Weiterhin soll die Sensibilisierungsarbeit bei Firmen und Verwaltungen und die Zusammenarbeit mit den Firmen intensiviert werden. Eine Zusammenarbeit mit den Personen welche in der Berufs- und Laufbahnberatung tätig sind würde die Platform sehr begrüssen. Es sollen Netzwerke entstehen, welche die Arbeitssuchenden nicht nur in den Arbeitsmarkt integriert, sondern allgemein in die Schweizer Gesellschaft. So kann das Kapital der Zugewanderten erfolgreich für die Volkswirtschaft genutzt werden.
Verfasst von: Barbara Fehr und Lilia von Rütte
|